8. Wirtschaft

 

Eine Wirtschaft für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

 

Eine ethische Wirtschaft beruht auf Gerechtigkeit, auf einem Miteinander statt Gegeneinander (Verdrängungswettbewerb), auf Zusammenarbeit statt Konkurrenz (Brüderlichkeit). Ein Volk ist wie ein Organismus, in dem alle Zellen und Organe miteinander und zusammenarbeiten, damit er gesund bleibt. Alle sind aufeinander angewiesen, es geht arbeitsteilig Hand in Hand.

Wenn ein Teil leidet, leiden alle mit.

 

Will eine Zelle oder ein Organ andere verdrängen, entsteht Krebs.

Die Fähigkeiten und Bedürfnisse der unzähligen am Wirtschaftsprozess beteiligten Menschen bedingen ein großes Miteinander, soll die Wirtschaft funktionieren.

 

Wie kann dieses Miteinander, diese Zusammenarbeit, erreicht werden?

     
  • Um einen Neuanfang herbeizuführen, ist eine vollkommene Entschuldung für alle notwendig.
  • Ebenso unabdingbar ist eine Vergesellschaftung des Bodens.
  • Zinsen liegen bei 0 und sind damit abgeschafft

Nur auf diesen drei Grundlagen kann ein Neuanfang einer nachhaltigen Wirtschaftsweise erfolgen. Sie sind Voraussetzung für eine gerechte, eigenverantwortliche, arbeitsteilige Gesellschaft.

Folgende Richtlinien bestimmen die neue ethische Wirtschaftsordnung nach dem Motto: “Was Du nicht willst, daß man Dir tu’, das füg’ auch keinem andern zu.”

  • Eigeninitiative, Ideen und Arbeit müssen sich mehr lohnen als Kapitaleinsatz ohne eigene Leistung.
  • Nachhaltiges Wirtschaften ohne Verschmutzung und Schaden an unseren Lebensgrundlagen muß sich lohnen.
  • Gesundes Wirtschaften bedarf eines gesunden Ideenwettbewerbs aller am Wirtschaftsleben Beteiligter.
  • Eine ökologisch-soziale Kreislaufwirtschaft entwickelt sich durch qualitatives Wachstum:

- Herstellung hochwertiger, langlebiger Produkte in geschlossenen Kreisläufen unter Wiederverwendung von Reststoffen mit Rücknahmeverpflichtung für die Hersteller

- angemessene Abgabe für Luftverschmutzung
- angemessene Abgabe für Wasserverbrauch und -verschmutzung
- Erhebung einer Rohstoffsteuer
  • Erhebung einer Energiesteuer in entsprechender Höhe (vor allem für Energie aus fossilen Quellen, gestaffelt nach ihrer Umweltverträglichkeit)
  • Für die Genehmigung aller Produkte ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung vorzulegen, als Ergebnis muß der Nutzen für Mensch und Schöpfung überwiegen.

Vorteile:

  • Bedarf für Handwerker und Reparaturbetriebe wächst.
  • Arbeit und Qualität werden geachtet und angemessen bezahlt (keine Dumpingpreise mehr).
  • Steuern belohnen Arbeits- und Leistungseinsatz anstatt Kapitaleinsatz
  • Steuersenkung: alle Einkünfte über einem Mindesteinkommen von 1000 Euro werden mit 20% (Geldwesen I) oder mit 10% (Geldwesen II) besteuert.
  • Aufbau selbständiger Existenzen wird sich nach dem Bedarf richten und wird durch Zinsreduzierung gefördert.
  • Eigeninitiative lohnt sich.

Die Wirtschaft soll die Mitwelt durch den Einsatz erneuerbarer Energien / freier Energie und die Wiederverwertung möglichst aller Stoffe entlasten. Die Kostenumlagen erfolgen nach dem Verursacherprinzip in Form von Umwelt-/Ökosteuern, Auflagen und Verboten.

Die Umsetzung dieser Richtlinien für eine ethische und gerechte

Wirtschaftsordnung:

  • Schrittweiser Abbau von Subventionen auf allen Gebieten (außer den öffentlichen und staatlichen Aufgaben) dient dem Umbau unseres Wirtschaftssystems in eine Form, die sich selbst trägt, jeden einbezieht zum Wohle aller (siehe Landwirtschaft, Arbeitswelt, Forschung, Technik, Mitwelt, Gesundheit/Medizin, Ernährung).
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Gesetze sorgen für Gerechtigkeit in der Wirtschaft und haben die Gesamtverantwortung für das soziale Ganze im Blick. Die konkret beteiligten Menschen haben die Möglichkeit, sich innerhalb der Rahmenbedingungen zu verantwortungsbewußt handelnden, mündigen Individuen zu entwickeln.
  • Wer sich auf Kosten anderer oder durch Gefährdung der Lebensgrundlagen bereichert, wird entsprechend besteuert, damit dieses Verhalten keinen Anreiz mehr bildet, sondern das Gegenteil bewirkt.
  • Eine neue Unternehmensverfassung ermöglicht, dass die in einem Betrieb Beschäftigten den Betrieb mitverwalten.
  • Mitarbeiter stellen ihre Dienste dem Arbeitgeber in Rechnung.
  • Schenkungen werden gefördert durch Abschaffung der Schenkungssteuer und der Erbschaftssteuer.
  • Durch immer mehr mündige, unabhängige und selbstbestimmte Bürger, die zusammenarbeiten und zusammenhalten, werden Monopole und Machtkonzentrationen nach und nach überflüssig.
  • Für die Werbung gelten ethische Richtlinien. Sie ist nur noch erlaubt für gesunde Lebensmittel, einfallsreiche Ideen, aufbauende Filme und Literatur usw., die Information und Wissen vermitteln anstatt Angst zu verbreiten.
  • Die Herstellung tatsächlich benötigter Güter, Waren und Dienstleistugen sorgt für Existenzsicherung und Verbesserung der Lebensgrundlagen der Menschheit, weil es sich nicht mehr lohnt, Gewinne am Kapitalmarkt einzusetzen.
  • Produzenten, Händler und Kunden einigen sich von vorneherein über gewünschte Qualitäten und Mengen sowie Liefertermine mit Abgabegarantien und realistische Preisgestaltung.
  • Hausarbeit wird vom Lebenspartner angemessen entlohnt.
  • Kindererziehung wird grundsätzlich von den Eltern geleistet, in Notfällen von geeigneten Personen, die vom Kindergeld bezahlt werden.
  • Für Pflege und Betreuung bekommen Angehörige oder Nachbarn eine angemessene Entlohnung von der Pflegeversicherung und/oder vom zu Pflegenden [Buch].
  • Menschliche Arbeit wird nicht länger als Kostenfaktor gesehen, sondern als Zielgröße auf der Ertragsseite.

Ein praxis- und zukunftstaugliches Konzept

für eine ethische und gerechte Wirtschaftsstruktur braucht:

  • Das Bewußtsein von uneigennützigem Zusammenwirken für das Wohl aller Beteiligten.
  • Zusammenarbeit und Zusammenschlüsse im Wirtschaftsleben mit neuartigen und freiwilligen Vertrags- und Vertrauensverhältnissen der füreinander Tätigen [ Rundbrief Dreigliederung, Wilhelm Neurohr, 2/97, S.17].

Praktische Beispiele, die schon existieren und funktionieren:

  • “Bund freier Unternehmensinitiativen” Arbeitnehmer sind Mit-Unternehmer, auf die der Unternehmer angewiesen ist. (Wilhelm Neurohr, Dreigliederung 2/97, S. 17)
  • Verbraucherverbände, Verbraucherschutz-Einrichtungen und Verbraucher-aufklärungen sorgen für mündige Bürger, die verantwortlich handeln und einkaufen. ‡ Aufgeblähte, unsozial und/oder unökologisch wirtschaftende Großbetriebe schrumpfen sich gesund. (Ökotest, .Attac..............).
  • Tauschringe / Zeitbörsen

In Tauschringen werden unterschiedlichste Leistungen erbracht und untereinander verrechnet in einer fiktiven Rechnungseinheit (zeit- oder geldartig). Wenn genügend unterschiedliche Angebote und Nachfragen vorhanden sind, ist das Austauschvolumen entsprechend groß, und die Wirtschaft läuft im engen Rahmen des Ringes.

Vorteile von Tauschringen:

- Hausfrauen, Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger/Innen sind einbezogen und können soziale Kontakte knüpfen, Anerkennung für ihre Fähigkeiten bekommen und ökonomischen Vorteil erzielen, was zur Steigerung des Lebenswertgefühls führt.
- Tauschringe werden vom Staat gefördert als Start in die Selbstständigkeit (in Neuseeland), wegen Müllvermeidung (in den Niederlanden).
- [“Juristische Bewertung von Tauschringen” von P. Brandenstein u.a., Frankfurt, Alternative 2000 # 23, S.11].
- Von lokaler Selbsthilfe zu regionalen Arbeitsmärkten (Michael Rost, Magdeburg /Alternative 2000 # 23, S. 12), z.B. ”Arbeitslosen-Selbst-Hilfe“ (Lindau a.B.).
- Beteiligung von Privatpersonen, Unternehmen, Non-profit-Organisationen und Kommunen.